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Beeilung ist gefragt!

  • Sebo Klein
  • 14. Dez. 2015
  • 3 Min. Lesezeit

In diesem Beitrag spreche ich über die vorweihnachtliche Hektik und deren Auswirkung auf die Menschen. Zudem erfahrt ihr im Folgenden, wie ich Weihnachten im Jahre 2015 sehe. Kommentare zu diesem Beitrag oder dem gesamten Blog sind wie immer im Gästebuch erwünscht.

„Stille Nacht, heilige Nacht“ lautet eines der beliebtesten Weihnachtslieder der Deutschen. Verwundernd ist das kaum, schließlich werden in vielen Musikstücken rund um das Fest der Liebe Wünsche und Träume verarbeitet. Eine stille Nacht - wer sehnsuchtet* nicht im 21. Jahrhundert nach einer solchen - vor allem an den Tagen kurz vor Heilig Abend? Sind wir ehrlich: Die Wochen rund um Weihnachten sind alles andere als angenehm. Jährlich bricht zu dieser Zeit ein schreckenhafter Stress, ein dramatischer Druck, eine hetzende Hektik aus, die ihresgleichen vergeblich suchen. Die letzten Einkäufe müssen getätigt werden, die letzten Geschenke werden eingepackt, die letzte Tanne im Naturschutzgebiet gefällt. Dekorationsartikel werden wild im gesamten Haus verteilt, Tische, Stühle, Fenster, Pflanzen, Schränke, Regale, Treppenstufen und Haustiere werden feierlich geschmückt. Neue Plätzchen werden gebacken, da der Vorrat schon vor den Feiertagen erschöpft ist, weitere Lichterketten werden am Haus montiert, um die Außenbeleuchtung des Nachbarn zu übertrumphen. Kurz: Es bricht die nackte Panik unter den Menschen aus.

Von Besinnlich- und Gemütlichkeit ist keine Spur. Beinahe mechanisch werden allerlei Artikel in den Warenkorb gesteckt, die als Präsente für Verwandte und Freunde dienen sollen. Mit prall gefüllte Tüten unter den Armen trägt man diese erworbenen Geschenke durch die Menschenmassen der Innenstadt. Welch eine Harmonie! Doch nicht nur das Suchen eines passenden Geschenks ist eine Herkulesaufgabe. Auch mit allen Mitgliedern der Familie einen Termin zum Zusammenkommen zu finden, ist heutzutage ein subtiler Akt. Nicht selten kommt es vor, dass einige Verwandten absagen, da sie schon an anderer Stelle eingespannt sind, immerhin einen ruhigen Weihnachtstag erleben möchten oder durch den Stress einem Nervenzusammenbruch nahe sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Tradition des gemeinsamen Weihnachten ohnehin nur noch in den Köpfen der Menschen existiert. Das ehemalige Fest der Liebe verkümmert zu einer Feierlichkeit, in der nur der stumpfsinnige Konsumerismus und das Materielle zählt. Die eigentliche Bedeutung des Festes wird unter Bergen bunten Geschenkpapiers begraben.

Was ist aus Weihnachten bloß geworden im Jahr 2015? Ist es tatsächlich nur noch die auf dem Kaminsims stehende Krippe, die an das einstig Wichtige erinnert? Ist es nur der Weihnachtsbaum, die Lichterketten und der Duft der Gebäcke, die eine besinnliche Atmosphäre schaffen? Ist es nur noch der Schokoladenweihnachtsmann im Supermarkt, den wir mit dem Fest assoziieren? Lange Zeit kann man nicht ins Nachdenken investieren, schließlich gibt es noch jede Menge zu tun. Es ist traurig, wie sehr wir Menschen im Dezember nur noch auf die Zeit achten. Auch ich habe damit schon so manche unangenehme Erfahrungen gemacht. Auch ich stehe manchmal unter Druck, den nächsten Beitrag zu verfassen und zu veröffentlichen, allerdings ist dieser Stress zu jeder Zeit beendbar. Ich bin schließlich zu nichts verpflichtet. Allgemein sieht das allerdings anders aus.

Alles muss in dieser multimedialen Welt schnell vonstattengehen. Für Besinnung, Erholung und Ruhe bleibt keine Zeit. Der Terminkalender wird bis auf die letzte weiße Stelle gefüllt und mit vermeindlichen Wichtigkeiten bespickt. Es wird kalkuliert, berechnet und ein perfekter Tagesablauf konstruiert. Beinahe hat man das Gefühl, dass ein jeder Atemzug genaustens geplant wude. Zum Denken jedoch bleibt keine Zeit. Geistesabwesend und gefühlslos wird all das abgearbeitet, was auf dem Tagesplan steht. Die Menschlichkeit wird marginal.

Ich gebe zu, dass ebendies auf den ersten Blick maßlos übertrieben klingt. Und dass ein Mensch mit humanen Defiziten wie ich Unmenschlichkeit ohnehin anders betrachtet. Unumstößlich ist aber, dass der Stress, die Hektik, der Druck ins Unermessliche steigt, dass die Anzahl der psychisch Erkrankten wegen ebendieser Punkte rapide zunimmt. Wer sehnt sich heutzutage nicht nach einem stillen Abend, nach einem Tag ohne Verpflichtungen, ohne körperliche und geistige Belastung, nach einer Zeit der Besinnlichkeit, der Ruhe und des Friedens?

Ich glaube nicht, dass solche Stunden noch häufig in der Adventszeit vorkommen. Wir leben alle in einem System, dass sich trotz Zeitmangels und Nöte nicht verlangsamt. Es gilt einzig und allein: Beeilung ist gefragt!

Das war's wieder mit dem heutigen Nachdenktext. Eure Meinung zu diesem Thema könnt ihr gerne per Gästebuch verkünden. In dieser Woche erwartet euch am Freitag ein Kurzbeitrag über das alljährliche Wichteln und ein „großer“ Eintrag am Sonntag.

Bis dahin:

Auf baldiges Wiedersehen

S. Klein

* Neologismus

Kommentare


© Sebo Klein, 2015-2016; 2017-2018

 

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